500 Jahre Pfarrei St. Nikolaus Reinach

Während mehr als neunhundert Jahren gehörten die Reinacher zur Pfarrei Pfeffingen und mussten über vier Kilome-ter weit ins «Bergdorf» zum Sonntagsgottesdienst pilgern. Nach Überwindung vieler Hürden erreichten sie 1511 endlich die Gründung ihrer eigenen Reinacher Pfarrei. Die seit dem 13. Jahrhundert im Dorf stehende St. Nikolauskapelle wurde zur Pfarrkirche erhoben. Nur eineinhalb Jahrzehnte danach erfasste die Reformationsbewegung auch Reinach. Um 1525 trat der erste reformierte Prädikant sein Amt an. Erst in den 1590er Jahren führte Bischof Jakob Christoph Blarer von Wartensee Reinach wieder zum katholischen Glauben zurück. Während des Dreissigjährigen Krieges (1618-1648) wurde die Gemeinde mehrfach geplündert. Die Soldaten benütz-ten die Dorfkirche als Pferdestall und brannten sie schliesslich nieder. 1657 bauten die Reinacher ein neues Kirchlein, allerdings ohne Chor und Turm. Erst im 18. Jahrhundert erhielt das kleine Gotteshaus einen Dachreiter, einen Chor und eine Sakristei. Während der Französischen Revolution wurde Reinach 1793 dem französischen Staat eingegliedert. Zeichen des Glaubens – wie z.B. die Wegkreuze – hatten aus dem Ortsbild zu verschwinden. Pfarrer Arbogast Buol musste fliehen, weil er den Eid auf die zum Teil kirchenfeindlichen Revolutionsgesetze verweigerte. Den Gottesdienst besuchten die Reinacher damals im schweizerischen Dornach, wo ihre Kinder auch die Taufe empfingen. – Nach dieser Periode des Schreckens wurde in der milderen napoleonischen Zeit um 1804 das Schiff der St. Nikolauskirche verlängert. Ausserdem erhielt das Gotteshaus einen neuen Hochaltar sowie einen richtigen Glockenturm. 1815 kam Reinach zum Kanton Basel und damit zur Schweiz. Nachdem die Gemeinde 1833 dem neuen Kanton Baselland zugeschlagen worden war, ersetzten die Reinacher 1876 – in der Kulturkampfzeit – das alte Kirchlein durch den stattlichen heutigen Bau. Pfarrer Karl Joseph Dosenbach bettelte die dazu nötigen finanziellen Mittel in der gan-zen Schweiz zusammen. Zwischen 1900 und 1980 stieg die Katholikenzahl in Reinach von rund 1‘000 Personen auf 8‘000. Deshalb wurde die Dorfkirche von 1962 bis 1964 stark vergrössert, und 1968 gründete man in Reinach Nord eine zweite, der Gottesmutter Maria geweihte Pfarrei. Nach 1980 fiel dann die Zahl der Katholiken bis zur Jahrtausendwende auf 6‘800. Wegen der schrumpfenden Schar der Gottesdienstbesucher entschloss man sich, die St. Nikolauskirche auf das 500-Jahrjubiläum der Pfarrei so umzugestalten, dass sich kleinere Gottesdienstgemeinschaften im Kirchenraum nicht verlieren. 2008 legte der Bischof angesichts schmalerer personeller Ressourcen zudem die beiden Pfarreien St. Nikolaus und St. Marien zur neu-alten Pfarrei St. Nikolaus zusammen. Franz Wirth